Volksmusik in Bayern

Traditionelle bayerische Volksmusik

Die originäre bayerische Volksmusik bezeichnet die traditionellen, häufig schriftlos überlieferten Lieder und Musikstücke verschiedener Völker aus verschiedenen Regionen. Somit bildet sie auch ein Stück der Regionalkultur. Unter Volksmusik versteht man instrumentale Stücke, Volkslieder und Musik für Volkstanz, wie frische Polkas, schwungvolle Halbwalzer und Landler, sowie viele weitere Tänze, die sich mit der Zeit entwickelt haben und die Lieder in ihrer Aufführung untermalen.

Traditionelle bayerische Volksmusik bietet heute alles von der „Stubenmusi“ bis zum Schlager, besticht durch unverfälschte Lebensfreude, Dialekt, Gefühlsstärke und innige Heimatverbundenheit, die man in jedem Takt und jeder Silbe spürt.

Die Lieder wurden früher in engem Kreise aufgeführt und zusammen gesungen. Als Vorreiter des heutigen Kabaretts entstand so das Gstanzl, welches dazu diente, um Missstände oder Unzufriedenheit auszudrücken, und man als epigrammartigen Spottgesang bezeichnen kann. Gstanzl wurden nicht nur genutzt um politische Begebenheiten scherzhaft zu beschreiben, sondern wurden nach Bedarf verschiedenen Situationen angepasst. So entstanden Gstanzln meist aus dem Stegreif und waren humorvoller Natur. Oft wurden sie nicht nur im Wirtshaus vorgetragen, sondern auch bei Feiern oder Veranstaltungen. Als bereicherndes Element wird das Jodeln angesehen, welches das Gstanzl begleitet bzw. unterbricht. Im 20. Jahrhundert bekannte politicheGstanzl stammen von Roider Jackl, der dadurch überregional bekannt wurde. Er war einer der bekanntesten Gstanzlsänger, der sogar einen ganzen Abend lang aus dem Stegreif über Politik singen konnte, ohne sich dabei zu wiederholen.

Bayerische Musik ist besonders bei Festlichkeiten beliebt, wie beispielsweise beim Oktoberfest, denn durch die fröhliche Art bringen die Lieder Menschen zusammen, die sich noch nie gesehen haben. Gerade dadurch, dass die Lieder alle kennen, wird eine Zusammengehörigkeit geschaffen und alle können mitsingen, zusammen tanzen, schunkeln und lachen. Traditionelle Musik lässt Barrieren erlischen, sie reißt mit und verbindet eben.

Bayerische Volkstänze

Als bayerische Tradition wird das Schuhplatteln angesehen. Dieser Tanz ist wohl die markanteste bayerische Tanzform und im südlichen Bayern und in einigen Teilen Österreichs verbreitet. In Nordbayern sowie im übrigen Deutschland findet man solche Tanzaufführungen eher selten. Der Begriff Schuhplatteln leitet sich daraus, dass während der Tanzaufführung, der Mann mit den Händen rhythmisch auf seine Schuhsohlen schlägt. Ursprünglich wurde er von Burschen getanzt, um so ihr Interesse an einem Mädchen zu zeigen und um die Gunst der Liebsten zu werben. Das Schuhplatteln kann auch als Paartanz mit Volksmusik aufgeführt werden. In Kombination mit dem Dirndldrahn bewegt sich der Plattler frei zur Landlermelodie, klatscht, springt und stampft, während sich die Frau im Takt weiter dreht, und schließlich zum finalen Rundtanz wieder eingesammelt wird. Mit der Zeit entwickelte sich der Schuhplattler zu einem Schautanz, der besonders von den Gebirgstrachtenvereinen gepflegt und verstärkt wurde, bis aus der freien Form, ohne Regeln, ein genau festgelegter Tanz wurde.

Eine weit verbreitete Tanzform in Bayern ist der Landler oder Ländler, der meist vom Jodeln, Stampfen und Klatschen begleitet wird. Er wird meist als Paartanz aufgeführt und nicht selten werden einzelne Tanzschritte einfach improvisiert. Der Dreher ist im Gegensatz zum Landler ein sehr schnell gedrehter Paartanz. Ein weiterer typischer bayerischer Tanz ist der Bandltanz. Den Namen hat der Tanz von den farbigen Bändern, die um den sogenannten Bandlbaum von den Damen getanzt werden. Zur Frühlingszeit, wird anstatt einer Stange mit Zierstück an der Spitze, ein Maibaum zum Umtanzen verwendet. Der Bandltanz ist wohl der älteste Volkstanz und hat aller Wahrscheinlichkeit keltische Ursprünge.

Moderne bayerische Volksmusik

Es ist längst keine Seltenheit mehr, dass mit traditioneller volkstümlicher Musik experimentiert wird. Demnach werden Tracks mit einer Blaskapelle aufgenommen, altertümliche Instrumente eingesetzt und es wird mit traditionellen Klängen gespielt. So haben sich mittlerweile der alpenländische Pop oder der Alpenrock entwickelt. Willy Michi und Spider Murphy Gang schufen als Pioniere dieses Genres, Kombinationen von modernem Zeitgeist und traditionellen Elementen.

Instrumente

Heute, wo der Kommerz die Kultur bzw. die Volksmusik trifft, kommen auch Instrumente wie Synthesizer und Keyboard zum Einsatz. Die ursprüngliche bayerische Musik ist jedoch handgemachte traditionelle Musik. Damals lernte man Instrumente wie Akkordeon, Geige, Hackbrett, oder Harfe spielen.

Die Geige war in den frühen Jahrhunderten das wichtigste Volksmusikinstrument, aber auch Bratsche und Cello kamen für tief gelegte Melodieteile zum Einsatz. Von den Blechblasinstrumenten ist das Flügelhorn im Gegensatz zur Trompete weit mehr geeignet, da es für die Volksmusik einen weicheren und geeigneteren Klang besitzt. Verschiedene Blechblasinstrumente werden oft im Zusammenspiel auf freiem Gelände aufgeführt. Von den Holzblasinstrumenten kommt die Blockflöte in der alpenländischen Volksmusik eher selten vor, sondern viel mehr die Klarinette oder die Querflöte. Aufgrund ihres kräftigen und schwebenden Klangs, ist die steirische Harmonika heutzutage das wohl beliebteste Instrument in der Volksmusik.

Elektrisch verstärkte Instrumente sind für Volksmusik nicht geeignet, daher wird beispielsweise auch die Akkustikgitarre verwendet, bzw. die Melodiegitarre in der Stubenmusik. Früher waren beliebte Begleitinstrumente die Harfe und, mit ihrem etwas leiserem Klang, die Zither.