Österreichische Volksmusik

Österreichische Volksmusik

Volksmusik wurde über viele Jahrunderte, von Generation zu Generation, zumeist mündlich überliefert und ist von traditionellen Liedgütern geprägt. Die traditionelle Volksmusik ist aus den bäuerlichen und ländlichen Gebieten der Kulturen entstanden und spiegelt nicht nur die Tradition, sondern auch die Lebensumstände einer Zeit wieder, die man sonst vielleicht vergessen würde. Man kann nur schwer das frühe Wesen und die Entwicklung dieser Musik nachweisen. Da die Lieder nicht schriftlich aufgefasst wurden, kommt es sehr oft vor, dass mehrere Interpretationen und verschiedene Variationen eines Liedes entstanden sind. So hinterlässt das Scherzlied „Insa Bruida Veidl“ mit seiner aus Burgenland überlieferten Version „Reit, Veidl, reit, da Türk is niama weit“ einen Hinweis auf die politischen und historischen Begebenheiten, in denen das Lied entstanden sein könnte. Es steht die Vermutung, dass es sich um die Türkenbelagerung 1529 (bzw. 1683) handelt, jedoch verliert sich der Bezug auf die historischen Ereignisse in der Salzburger Variante wieder.

Historischen Beschreibungen zu Folge, gab es schon seit dem Mittelalter ein lebhaftes musikalisches Treiben, abseits der adeligen Höfe und Klöster. Die meist verbreiteteten Instrumente waren hierzu die Drehleier und der Dudelsack (zwischend dem 16. u. 18. Jahrhundert). Anfang des 18. Jahrunderts fanden auch die Geige und der Kontrabass ihren Weg von Italien aus in die österreichische Volksmusik.

Auch heute noch besitzt die bodenständige ländliche Musik eine treue Anhängerschaft und ist stark verwurzelt.

Vertretene Themen

  • Liebe–achtzig Prozent der österreichischen Volkslieder handeln von Liebe. Die Aufzeichnungen der Liebeslieder sind sogar bis ins 16. Jahrhundert zurückzuverfolgen. Motive der zwischenmenschlichen Beziehungen sind meist das Liebesleid bei Trennung, Abschied, aber auch Liebesfreude; Sogar versteckte Andeutungen eines Geschlechtsaktes sind im erotischen Lied zu finden. Zu finden sind auch Lieder aus Dankbarkeit, nicht nur gegenüber der Ehefrau, sondern auch gegenüber Freunden und Verwandten.
  • Arbeit– Lieder die das Thema Arbeit aufgreifen, schildern meist die sozialen Stellungen in der Gesellschaft, das Arbeitsumfeld, beklagen Not und Armut, oder heben den Berufstand hervor. Besonders gern bedienten sich einige Berufsgruppen sogenannter Ruflieder, um über weite Distanzen miteinander zu kommunizieren, oder rhythmische Lieder, um die gemeinsame Arbeit zu koordinieren.
  • Geschichte – Historische Lieder handeln meist von zeitgebundenen politischen und historischen Ereignissen. Viele von ihnen verschwanden daher, nachdem die Ereignisse nicht mehr aktuell waren, ohne für die Nachwelt festgehalten worden zu sein. Diejenigen die ihren historischen Kontext überdauerten, handeln meist von Krieg, Machtkämpfen, Revolutionen, oder Belagerungen.
  • Erzählung– Das Erzähllied weist narrative Züge auf und beinhaltet viele Strophen. Das Erzähllied diente, lange vor dem Fernseher und Computer, der Unterhaltung. Es handelt von Mythen, Naturerscheinungen und Ereignissen. (“Räuberlied” von Leonhard Achreiner).
  • Kindheit – Kinderlieder haben meist märchenhafte Elemente, Symbole, Figuren und Bilder, die einen belehrenden Charakter aufweisen. Hierzu gehören Neck-, Kose- und Kitzelverse.
  • Geselligkeit– Lieder mit dem Thema Geselligkeit dienen dem Unterhaltungszweck. Sie wurden in geselliger Runde im Wirtshaus oder bei Festen vorgetragen. So das Gstanzl, welches auch in der bayerischen Volksmusik anzutreffen ist. Meist wurde dazu auch getanzt und gesungen. Das Wiener Lied und die Musik dienen speziell nur zur Unterhaltung. Im 13. Jahrhundert gewann das Trinklied an Popularität, gefolgt vom scherzhaften Lumpenlied im 18. Jahrhundert.
  • Heimat– Das Heimatlied entstand in der Zeit der Industrialisierung und der damit verbundenen Migration im 19. Jahrhundert. Während des gesellschaftlichen Umbruchs begeisterten sich die Bürger verstärkt für das Volkslied. Viele waren gezwungen auszuwandern und beschrieben aus der Ferne ihre Heimat. Diese Lieder weisen daher oft eine Note an Sentimentalität und Kitsch auf.
  • Glaube– Das geistliche Liedgut entwickelte sich in Form des Kirchengesangs mit dem Buchdruck und der Reformation. Die geistlichen Volkslieder sind eng mit den Bräuchen und religiösen Funktionen verbunden. Als Beispiel ist das weihnachtliche Hirtenlied zu nennen, aber auch Lieder zu Ostern, Wallfahrt, sowie weiteren Feiertagen.